Zweifel und Vertrauenssprünge

Gott, ist das dein Ernst?

Gottes Wort nicht verstehen
Kennst du das? Du stolperst in der Bibel über eine Stelle, die dich sprachlos macht. Nicht weil sie so wunderschön ist, sondern weil du denkst: «Das kann doch nicht wahr sein!» Die Geschichte von Abraham und Isaak ist für mich eine davon...

Stell dir vor: Abraham, endlich Vater geworden, hört Gottes Stimme: «Nimm deinen Sohn und opfere ihn mir.» Bäm! Das sitzt! Als wäre es nicht schon schlimm genug, sich zwischen Gott und Familie entscheiden zu müssen. Kein «Wie bitte?», kein «Hast du dich vielleicht versprochen, Gott?». Abraham packt einfach seine Sachen und geht los.

«Abraham, tu irgendwas»

Wäre das ein Hollywoodfilm, würde genau an dieser Stelle dramatische Filmmusik einsetzen und der Zuschauer würde denken: «Nein, Abraham! Frag nach! Diskutiere! Tu irgendwas!» Aber nix da. Abraham marschiert los wie ein Roboter auf Befehl. Wer von uns würde nicht zumindest kurz innehalten und fragen: «Gott, bist du dir da ganz sicher?» Aber Abraham? Fehlanzeige. Er vertraut blind.

Vermutlich denkst du jetzt: «Na toll, wieder so eine fromme Geschichte, die uns sagen will, wir sollen alles schlucken, was von oben kommt.» Aber halt! Vielleicht steckt mehr dahinter. Vielleicht geht es ja gar nicht um blinden Gehorsam. Vielleicht ist es eher eine Einladung zum Vertrauens-Sprung ins kalte Wasser.

Viele von uns kennen das mulmige Gefühl, wenn man Entscheidungen treffen muss, obwohl noch gar nicht alle Fragen geklärt sind. Wie oft stehen wir in unserem Leben vor Entscheidungen und hätten gern eine himmlische Landkarte mit Wegmarken und klaren Anweisungen? Im Beruf, in Beziehungen, im Glauben. Manchmal wären wir dann lieber wie Sherlock Holmes – alles logisch aufklären, alle Details analysieren und dann entscheiden. Aber im Glauben funktioniert das eben nicht so, Gott gibt uns nicht immer das ganze Drehbuch.

Gott nicht verstehen

Wie Abraham stehen wir manchmal an einem Punkt, an dem wir uns fragen: «Was, wenn ich falschliege? Was, wenn ich mich irre?» Das ist ein bisschen wie im Fussball: Manchmal muss man den Ball einfach ins Spiel bringen, auch wenn man den Ausgang noch nicht kennt. Manchmal taucht die Lösung erst auf, wenn wir uns schon auf den Weg gemacht haben… Gott gibt uns kein Drehbuch fürs Leben. Glauben heisst eben nicht, alle Antworten zu haben. Es bedeutet, trotz offener Fragen loszugehen. Abraham musste genau das erfahren. Am Ende greift Gott ein. Kein Isaak-Barbecue, stattdessen ein Widder als Ersatz. Happy End? Nicht ganz. Denn die Frage bleibt: Was sollte das Ganze? Am Ende will Gott gar kein Opfer, er will Vertrauen – vielleicht ist es das, worum es geht. Nicht blindes Folgen, sondern mutiges Vorangehen – mit all unseren Zweifeln und Fragen im Gepäck.

Also, nächstes Mal, wenn du vor einer Entscheidung stehst und dich für einen Zweifler hältst, weil du denkst: «Gott, ich versteh dich nicht!» – vielleicht ist genau das der Moment, wo dein Glaube anfängt. Nicht, weil du alles kapierst, sondern weil du eben trotzdem losgehst. Mit zitternden Knien, klar. Aber hey, das wird bei Abraham nicht anders gewesen sein. Und trotzdem ist er losmarschiert. Vielleicht liegt genau darin das wahre Wunder.

Fragen zum Weiterdenken:

1. Welche Zweifel bringe ich in meinem Glauben mit – und wie gehe ich damit um, wenn ich Gottes Weg für mein Leben nicht verstehe?

2. Was bedeutet Vertrauen für mich in Situationen, in denen ich keine klaren Antworten von Gott bekomme? Ist das für mich eher eine Herausforderung oder eine Chance?

3. Wo habe ich in meinem Leben schon erlebt, dass ein «Umweg» oder eine unerwartete Wendung mich weitergebracht hat?

4. Wie kann ich mit anderen – Familie, Freunde, Kollegen – offen über die schwierigen Fragen meines Glaubens sprechen, ohne das Gefühl zu haben, dass ich «alle Antworten» haben muss?

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Datum: 27.03.2025
Autor: Oliver Helmers
Quelle: Magazin MOVO 01/2025, SCM Bundes-Verlag

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