Liebe
Das 13. Kapitel vom 1. Korintherbrief wird häufig als «Hohelied der Liebe» bezeichnet. In den Versen 4 bis 7 steht: «Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstössig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht.» Ich mag an diesem Bibelwort, dass es mir eine Liebe vor Augen malt, nach der mein Herz sich sehnt. Es macht Hoffnung, dass Liebe möglich ist.
Die griechische Sprache unterscheidet verschiedene Arten von Liebe: die freundschaftliche Liebe, die familiäre Liebe, die erotische Liebe und die bedingungslose selbstlose Liebe. Diese höchste Form der Liebe – die Agape-Liebe – kommt in diesem Bibeltext zur Sprache. Sie ist die göttliche Liebe. Ersetzen wir das Wort «Liebe» in diesem Text mit dem Namen Gottes, bekommen wir einen Eindruck davon, was es bedeutet, dass Gott uns liebt.
«Ja» zum anderen
In der Psychologie sind viele der Meinung, dass Liebe kein Gefühl ist. Angelika Heinen beschreibt sie beispielsweise als eine Haltung, als ein grundsätzliches «Ja» einem anderen Menschen gegenüber. Liebe besteht in einer Verbundenheit, die dem anderen gegenüber wohlgesonnen ist. Liebe steht demnach nicht in Konkurrenz zu anderen Gefühlen, sondern heisst sie willkommen und hält sie aus. Liebe kann mit Ärger, Wut, Neid, Scham und allen anderen Gefühlen umgehen.
Genau das ist die göttliche Liebe. Gott hat «Ja» zu uns Menschen gesagt. Er lässt sich nicht reizen, trägt uns das Böse nicht nach, freut sich an der Wahrheit und erträgt uns. Gottes Ja zu uns steht. Es ist eine Entscheidung, die Gott unumstösslich getroffen hat. Wir können uns darauf verlassen, dass diese Verbindung bleibt, und uns in seine Liebe und Annahme ganz hineinfallen lassen.
Es scheint mir vermessen, davon auszugehen, dass auch ich jemals auf diese vollkommen uneigennützige Art lieben könnte. Wenn wir es versuchen, kommen wir schnell an unsere Grenzen. Schämen und verurteilen wir uns dann für unsere fehlerhafte Liebe, sind wir schon wieder aus ihr herausgefallen. Denn die Liebe erträgt alles – also darf auch ich mich selbst ertragen. Fangen wir an unsere Gefühle zu verdrängen oder zu vertuschen, dann sind wir nicht mehr ehrlich mit uns und vor Gott – und auch das ist nicht Liebe. Im Umgang mit meiner Liebesunfähigkeit habe ich so die Chance, meine Liebesfähigkeit zu stärken, indem ich mich in Selbstannahme übe. Von da aus kann ich dann auch Veränderung erfahren und Gottes Art zu lieben auch mit meinem eigenen Verhalten näherkommen.
Miteinander üben
Wir sind mit einer unfassbaren Liebe von Gott beschenkt. Es ist gut, dass mein Herz sich danach sehnt, denn diese Hoffnung findet in Gott Erfüllung. Ich bin vollkommen angenommen – mehr als jeder Mensch mir das jemals schenken könnte. Bei ihm darf ich sein.
Und auch wenn wir niemals auf diese Art und Weise lieben können, so dürfen wir es dennoch miteinander üben. Es gibt die unterschiedlichsten Formen der Liebe. Meine Kinder liebe ich anders als meinen Partner und ihn wiederum anders als meine Freunde, Nachbarn und Kollegen. Das ist okay. Aber was alle verdient haben, ist diese Agape-Liebe. Das grundsätzliche Wohlwollen. Akzeptanz. Annahme. Wertschätzung. Lasst uns das miteinander üben.
Ähnliche Impulse gibt es im Magazin Faszination Bibel. Infos zum günstigen Jahresabogutschein des Magazins findest du hier.
Zur Miniserie Gefühle in der Bibel:
Wut
Angst
Neid
Scham
Zum Thema:
Den Glauben entdecken
Die Macht der Gefühle: Mit Emotionen umgehen lernen
Bibel-Impulse: Die Frucht des Geistes: Liebe
Datum: 06.04.2025
Autor:
Claudia Schubert
Quelle:
Magazin Faszination Bibel 01/2025, SCM Bundes-Verlag