Condoleezza Rice

Gläubig – und überzeugend

Den Christen wünscht Condoleezza Rice, dass sie mit ihrem Glauben ansteckend wirken und nicht unnötig anecken. Die Aussenministerin von Präsident Bush blickt im Buch «Extraordinary, Ordinary People: A Memoir of Family» auf ihren Weg zurück.
Condoleezza Rice. (Foto: Wikipedia, Department of State)

Unweit der Presbyterianerkirche in Alabama, wo ihr Vater als Pastor wirkte, explodierte 1963 eine Bombe. Condoleezza war noch nicht neunjährig; eine Freundin von ihr starb bei dem Anschlag. Die Schwarzen wurden ausgegrenzt und von Rassisten beschimpft. «Ich weiss nicht, wie irgendjemand von uns jene Zeit ohne unbändigen Glauben hätte überstehen können», sagt Rice heute.

Mit Taten überzeugen

Anders als Hillary Clinton, die ihren Glauben nach eigenem Bekunden nicht «auf dem Ärmel trägt», will die Karrierefrau, die als erste Afroamerikanerin das State Department anvertraut bekam, ihn keineswegs verbergen. Wer aber ständig und aufdringlich davon spreche, schade dem Image der Christen. «Sie sollen wissen, dass ich fromm bin. Aber ich werde Ihnen das nicht täglich unter die Nase reiben.»

Rice umschreibt den «Evangelical» als einen, der seinen Glauben so bekennt, dass er andere anzieht. Ansteckendes Christsein geschehe durch Taten eher als durch Worte. «Sie versuchen, so zu leben, dass Leute sagen: ‚Oh, so möchte ich auch leben‘. Und dann merken sie, dass Ihr Glaube damit zu tun hat.» Jesus habe Menschen unterschiedlich angesprochen, manchmal mit scharfen Worten, oft freundlich. Christen täten gut daran, genau hinzuhören, «wo jemand ist».

Besser dran in Ungewissheiten

Condoleezzas Überzeugung wurde auch nach dem Sieg der Bürgerrechtsbewegung getestet. «Aufgrund des Glaubens» habe sie besser mit zweideutigen Situationen und möglichen Konsequenzen von Entscheiden umgehen können. Auf die Frage der Reporterin von «Christianity-Today», ob sie Gottes Führung in ihrer Laufbahn (Pianistin, dann Sowjetexpertin) erfahren habe, sagt sie, sie habe immer danach gesucht. Als sich im Irakkrieg die Probleme auftürmten, habe sie den Herrn nicht gebeten, ihr den Durchblick und Antwort auf bestimmte Fragen zu geben, sondern gebetet, dass er einen Ausweg zeige.

Nüchtern im Nahostkonflikt

Welche Rolle spielte Rice’s Religiosität in ihrer Aussenpolitik? Der Glaube habe ihr geholfen, die «Kinder Abrahams» und die Beziehungen zwischen Muslimen, Juden und Christen besser zu verstehen, sagt die Politologie-Professorin. «Israel ist bemerkenswert. Es würde nicht existieren ohne die Entschlossenheit der Menschen und die Gnade Gottes.» Doch sei Jerusalem ein Ort, wo die grossen Religionen nicht zusammenträfen – «sie prallen dort aufeinander».

In der Aussenpolitik habe sie gemerkt, wie weit Menschen gingen, um Gott für ihre Ziele einzuspannen, statt das Umgekehrte zuzulassen. «Das ist für mich das Fürchterlichste im Zusammenspiel von Religion und Politik.» Rice sieht das christliche Ja zum Judenstaat vereinbar mit der Überzeugung, dass daneben ein Palästinenserstaat existieren kann, «denn der Staat ist der Staat. Wenn Sie aber beginnen, dem Staat Gottes Absichten einzuflössen, dann geraten Sie fast immer in Schwierigkeiten.»

Abtreibung und die Grenzen des Staates

Zur Frage der Abtreibung, die Amerika spaltet, äussert sich Condoleezza Rice – auch als Christin – nicht abschliessend. Die Amerikaner seien begabt, mit solchen «extrem polarisierenden und schwierigen moralischen Fragen» umzugehen. Die Professorin wendet sich gegen die Auffassung, dass jeder seinem eigenen Wertekompass folgen soll. Doch will sie das weite Spektrum der Auffassungen in der Gesellschaft nicht ausblenden. Die Menschen sollten wenn möglich ihr Leben selbst bestimmen können; dem Staat stehe es gut an, sich in moralische Fragen nicht einzumischen, doch müsse er Missbräuchen wehren. Das Land sei noch nicht bereit zu einer gesetzlichen Einschränkung der Abtreibung. Sie sehe nicht ein, warum man «diese Entscheidungen der Familie aus den Händen nehmen» sollte.

Zur Frage ehelicher Rechte für gleichgeschlechtliche Paare gibt sich Rice ebenso diplomatisch. Sie glaube zwar («I happen to think»), dass Ehe der Bund eines Mannes und einer Frau sei. Dies sei die Tradition, und sie halte dies für richtig. Aber vielleicht werde das Land dazu kommen, auch gleichgeschlechtlichen Paaren eine registrierte Verbindung (civil union) zuzugestehen.
 

Datum: 24.12.2010
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet/ Christianity Today

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