Luzern: Anerkennung der Muslime braucht Zeit

"Erst in zehn bis zwanzig Jahren" könne realistischerweise über eine öffentlich-rechtliche Anerkennung der Muslime entschieden werden, meint der Luzerner Kirchen- und Staatskirchenrechtler Adrian Loretan in einem Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung vom 16. September. Dränge die islamische Gemeinschaft zu früh auf eine Anerkennung, so werde sie in der Bevölkerung auf Ablehnung stossen, vermutet er.
Adrian Loretan (Foto: Universität Luzern).

Die Islamischen Gemeinde Luzern (IGL), die rund 14.000 Muslime im Kanton Luzern vertritt, strebt eine öffentlich-rechtliche Anerkennung durch den Kanton an, wie am 11. September bekannt wurde. Die neue Luzerner Kantonsverfassung sieht die Möglichkeit vor, nicht-christliche Religionsgemeinschaften als Landeskirchen anzuerkennen. Die Islamische Gemeinde Luzern bekäme damit die gleichen Rechte wie die bestehenden Landeskirchen, darunter das Recht, Kirchensteuern zu erheben.

Längerer Prozess der Auseinandersetzung nötig

Die Tatsache, dass bisher noch in keinem Schweizer Kanton eine islamische Gemeinschaft öffentlich-rechtlich anerkannt worden sei, verdeutliche, dass diesbezüglich noch viele Spannungen in der Bevölkerung bestünden und die Frage Ängste auslöse, sagt Loretan im Interview. Es müsse da noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Nötig sei aber auch "ein längerer Prozess der Auseinandersetzung zwischen dem modernen Rechtsstaat und der islamischen Gemeinschaft", weil viele Fragen noch ungelöst seien.

Eine öffentlich-rechtliche Anerkennung demokratisiere eine Religionsgemeinschaft, denn diese müsse gewisse rechtsstaatliche Standards erfüllen, betont Loretan: demokratische Organisation, transparente Finanzen sowie Gleichstellung von Mann und Frau. Er stehe deshalb einer Gemeinschaft positiv gegenüber, die sich freiwillig diesen Standards unterziehen wolle.

Auch ermöglichten die demokratischen Strukturen den Mitgliedern der Islamischen Gemeinde Luzern, Erfahrungen mit der direkten Demokratie zu sammeln. Loretan: "Die Erfahrung zeigt, dass Menschen so ein ganz anderes Verhältnis zum politischen System der Schweiz aufbauen können."

Datum: 21.09.2009
Quelle: Kipa

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